Wie wird das Wetter, wann fährt der nächste Zug und steigen die Aktienkurse? Immer mehr Nutzer beantworten ihre Fragen über das mobile Internet. Und immer mehr Unternehmen wollen auf den mobilen Endgeräten ihrer Kunden präsent sein. Dabei stellt sich die Frage: Mobile Website oder doch lieber eine Mobile App?
Gemäss einer aktuellen
Studie des
IAB (Interactive Advertising Bureau) besitzen rund 36% der Schweizer Internetnutzer ein Smartphone. Weitere 37% der Befragten planen, bis Ende des Jahres 2011 eines zu kaufen. Für viele Unternehmen gehört es zum guten Ton, ihre Online-Präsenz auf mobile Endgeräte auszudehnen.
Oft denken sie dabei zuerst an eine App, denn die Nutzerzahlen klingen vielversprechend: Rund ein Viertel der Studienteilnehmer ruft mehrmals täglich Apps auf. Die Schweizer haben insgesamt 60 Apps installiert und nutzen davon im Durchschnitt 21.
Aber Achtung: Ein Viertel aller Apps wird nur einziges Mal aufgerufen und 54% aller Apps auf dem Markt erreichen keine 1‘000 Downloads. Diese Zahlen sollten Unternehmen wachrütteln, denn sie ziehen die Frage nach sich, ob sich die Investition in eine App überhaupt lohnt.
Kleine Geräte, grosser Aufwand
Mobile Endgeräte stellen Entwickler und Nutzer vor ein paar Herausforderungen, die es bei der Internetnutzung über den normalen Computer-Bildschirm nicht gibt. Bei einem mobilen Endgerät ist alles kleiner als bei einem Computer: der Bildschirm, die Bildschirmauflösung, die Tastatur. Und es ist weniger leistungsfähig: die Bandbreite und somit die Übertragungsgeschwindigkeit für Daten, die Prozessoren und die Multitasking-Optionen sind geringer.
Apps: Was zeichnet sie aus?
Vom Cocktail-Katalog über den Rap-Song-Generator oder die Aufnahme-App für Leute, die im Schlaf reden. Apps gibt es für fast alle Lebenslagen: Die
Anwendungsmöglichkeiten lassen sich grob in die zwei
Extreme «Utility» und «Entertainment» einteilen. Apps konzentrieren sich dabei normalerweise auf ein Thema oder eine bestimmte Funktionalität.
Apps werden speziell für die einzelnen Mobile-Betriebssysteme entwickelt. Die Umsetzung erfolgt entweder als Native App auf Basis der entsprechenden Programmiersprache, mithilfe von Frameworks mit vorprogrammierten Anwendungsarchitekturen oder durch den Einsatz von HTML5 für den Content mit zusätzlichen Container-Apps.
Hochwertig und leistungsfähig
Da man Funktionen wie Kamera, Aufnahmegerät, Telefon, E-Mail, GPS, Kompass oder Accelerometer in die App einbinden kann, bleibt viel
Raum für Spielereien und somit eine
gute User Experience. Besonders in Bezug auf Games ist die Performance von Apps höher als von webbasierten Lösungen: Einmal heruntergeladen, ermöglichen Apps eine
verzögerungsfreie Nutzung – zum Teil ohne Internetverbindung.
Die Vorteile für den App-Anbieter liegen ebenfalls auf der Hand: Zum einen sind die
Branding-Möglichkeiten – gerade über den Home-Screen – sehr gross. Zum anderen kann man mit Apps oder einzelnen ihrer Inhalte
Geld verdienen.
Nutzer schätzen Apps grundsätzlich hochwertiger ein als Mobile Websites und auch das
Engagement des Nutzers ist grösser: Schliesslich entscheidet er sich bewusst für den Download der App.
Auf der anderen Seite haben Apps auch Nachteile: Damit die Nutzer überhaupt auf eine (Unternehmens-)App stossen bzw. deren Mehrwert begreifen, muss man sie
aufwändig bewerben.
Ein weiterer Nachteil ist die schnell fortschreitende technologische Entwicklung sowie steigende Plattform-Fragmentierung: Eine App muss für mehrere Betriebssysteme bereitgestellt werden und mit deren Updates Schritt halten.
Mobile Websites
Die Mobile Website ist die kleine, aber gewitzte Schwester der Standard-Website:
Sie enthält nur ausgewählte Inhalte, die Navigation ist für den Gebrauch über den Touchscreen optimiert, sie enthält
weniger Grafiken und Daten,
um die Ladezeit zu verkürzen, und arbeitet im Design stärker mit Kontrasten. Doch nicht nur das Design, auch die
Technologie dahinter muss flexibel sein und sich an die Fähigkeiten des Endgeräts anpassen. Mobile Sites können auf unterschiedliche Arten die bestehenden Online-Präsenzen ergänzen: via eigenständigem
CMS,
Plug-in zum bestehenden Web-CMS, Responsive-Design, Bezug der Daten über Webservices oder Content-Parsing – bei Letzerem liest die Mobile Website ausgewählte Inhalte von der Standard-Website ab.
Das Gute an Mobile Websites: Der Nutzer kann sie von jedem internetfähigen Endgerät abrufen, ohne wie bei einer App etwas herunterladen zu müssen. Eine Mobile Website ist auch für den Anbieter von Vorteil. Die Anpassung einer Website zu einer Mobile Website ist meist günstiger als eine App zu programmieren und später sind
Updates jederzeit ohne Zulassungsprozess eines App-Stores möglich. Zudem können Suchmaschinen die Mobile Websites finden.
Leider kann man mit einer Mobile Website noch nicht alle Funktionalitäten des Endgerätes nutzen. Zudem muss man mit seinem mobilen Gerät online gehen, um die Website-Inhalte zu sehen.
Mobilisieren Sie Ihre Analysefähigkeit
Als Daumenregel kann man festhalten: Wer bei seinen Kunden nicht den Anschluss verlieren will, sollte ihnen
mindestens eine Mobile Website zur Verfügung stellen. Eine
App ergibt hingegen nur Sinn,
wenn sie dem Nutzer echten Mehrwert bietet. Machen Sie in einem ersten Schritt die Zielgruppen aus, die Sie erreichen möchten.
Definieren Sie anschliessend die
Rolle, welche die mobile Präsenz im Kunden- und Produkt-Lebenszyklus einnehmen soll, welchen Nutzen sie schaffen und auf welchen Plattformen sie integriert werden soll. Überlegen Sie ausserdem, wie Sie ein möglichst
positives Nutzererlebnis über verschiedene Kanäle hinweg schaffen können und wie die
mobile Präsenz Ihre bestehenden Prozesse unterstützen oder ergänzen kann.
Frank Lang ist Managing Director von Goldbach Mobile, einem Kompetenzzentrum von Goldbach Interactive (Switzerland).
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