Foursquare: Wo bist du gerade?


Geo-Location ist momentan das brandheisse Thema im Onlinemarketing. Es geht dabei um ortsbezogene soziale Netzwerkdienste, die Information und Kommunikation mit dem aktuellen Aufenthaltsort des Nutzers verknüpfen, und damit das Internet lokal machen. Einer der Vorreiter ist die US-amerikanische Plattform Foursquare.

Mit der Foursquare-App für Smartphones können registrierte User an Orten wie Restaurants, Shops, aber auch dem eigenen Büro «einchecken» – also bestätigen, dass sie sich gerade dort befinden. Sie erfahren dann, welche ihrer Freunde gerade in der Nähe sind oder welche Tipps andere User zum Aufenthaltsort eingegeben haben. Im Unterschied zu Twitter kombiniert der Geodaten-Service soziale Netzwerke mit virtuellen Stadtführern und spielerischen Elementen. Als Anreiz bekommen Nutzer für ihre Check-ins digitale Auszeichnungen, so genannte Badges. So wird derjenige, der einen bestimmten Ort am häufigsten besucht, Mayor (Bürgermeister) und erhält dafür eventuell Rabatte oder Geschenke – so genannte Specials. Oft entsteht unter den Mitspielern ein Wettbewerb um diesen Titel. Von den aktuell 8.5 (neu: 10) Millionen Foursquare-Usern sind rund 50 Prozent ausserhalb der USA unterwegs – Zahlen für einzelne Länder erhebt Foursquare leider noch nicht.
«Foursquare hat zwar noch weniger Nutzer als die grossen Plattformen (wie z.B. Facebook oder Twitter [Anm. der Redaktion])», erklärte Foursquare-Gründer Dennis Crowley kürzlich der FAZ, «aber wir wachsen sehr schnell. Die Zahl neuer Nutzer steigt monatlich zwischen 60 und 70 Prozent und die Nutzung legt um mehr als 100 Prozent pro Monat zu.
Badges sammeln – der spielerische Charakter von Foursquare hält die User bei Laune.

Und was macht man mit Foursquare?


Die Anwendungsbeispiele sind vielfältig: User können Restaurantbewertungen eingeben und Tipps für einen guten Cocktail in einer bestimmten Bar oder zu einer Sehenswürdigkeit hinterlassen. In den USA ist es bereits üblich, dass Eltern auf Spielplätzen einchecken, um befreundete Familien zu veranlassen, auch dorthin zu kommen. Manchen checken zuhause, am Arbeitsplatz oder bei Kunden ein – und wer auf einer Urlaubsreise regelmässig seinen Standort markiert, macht seine Route für Freunde nachvollziehbar.

Technisch sind diese lokalen Dienste erst möglich, seitdem immer mehr Mobiltelefone mit GPS ausgerüstet sind. Damit kann der Aufenthaltsort des Handynutzers geortet werden. Wer ein Restaurant betritt, bekommt auf der Foursquare-App meist den Namen eingeblendet. Dann genügt ein Klick auf den Check-in-Knopf, und man hat eingecheckt. Je nach Einstellung kann die Ortsbestimmung an Facebook, Twitter oder andere soziale Netzwerke weitergereicht werden.
Auch Facebook hat die Wichtigkeit solcher Dienste erkannt und im August 2010 Facebook Places lanciert. Foursquare unterscheidet sich in folgenden Punkten wesentlich von Facebook Places:

1. Privatsphäre: Die allgemeinen Geschäftsbedingungen und die vom User wählbaren Einstellungen sind bewusst sehr transparent und im Sinne des Kunden gehalten. Jeder legt selbst fest, wer die eigenen Standortinformationen sehen kann.

2. Ausgesuchtes Netzwerk: Obwohl Foursquare mit anderen Social Networks verknüpft ist, können die Nutzer dort ihren Freundesnetzwerk unabhängig von Facebook- und Twitter-Bekanntschaften aufbauen.

3. Spielerische Elemente: Bei jedem Check-in erhält der User Punkte als Belohnung. Das Ranking im Freundeskreis und die Badges (Jetsetter-Badges für häufige Check-ins an Flughäfen etc.) sorgen für Unterhaltungswert.

4. Nutzen: Foursquare bietet «Tips nearby you» und «Tips of your friends». Damit fällt Nutzern z.B. die Auswahl von guten Restaurants oder die Planung einer Stadtbesichtigung leichter.

5. Ecosystem: Foursquare verfügt über offene Schnittstellen. Daher haben sich verschiedene Apps rund um Foursquare entwickelt, die auf die Ortsdaten zurückgreifen. Ein Beispiel ist die Geo-Fotocommunity PicPLZ.

6. Kommerzielles: Unternehmen stehen eine Vielzahl von Marketingmöglichkeiten zur Verfügung. Dabei lassen sich mehrere Standorte leicht nebeneinander verwalten – und zwar ohne die Buchung grosser Kampagnen (mit entsprechendem Mediavolumen), wie das zum Beispiel bei Facebook nötig ist.


Was Unternehmen davon haben


Unternehmen können an ihren Standorten so genannte «Specials» für ihre Kunden hinterlegen – zum Beispiel das «Swarm Special» – sobald eine bestimmte Anzahl von Leuten gleichzeitig eincheckt. Wenn z.B. in einem Eiscafé zehn Leute gleichzeitig einchecken, darf sich jeder kostenlos eine Kugel mehr aussuchen. Oder das «Flash Special» – für die ersten XYZ Personen, die während einer Aktion einchecken.
Beispiel für ein Foursquare Special.

In 2010, Goldbach Interactive set up the first Swiss Four Square campaign for Valora: users could check in at the major Swiss railway stations at Caffè Spettacolo and k-kiosk. In return, at every third check-in there was a prize and they got a hot drink. As evidence of the check-in, the user simply showed the shop assistant the Foursquare special on the mobile. Since the tool is free of charge, Foursquare-way campaigns are financially very attractive.
 


First lessons from Foursquare campaigns


  • Key success factors are an attractive promotion that appeals to a broad target group, the advertising at the POS and a good staff training.
  • Currently, it makes sense to focus on a Four Square campaign in the cities of Zurich, Basel, Bern and Geneva. Airports and international tourist resorts also have great potential.
  • As long as the promotion is linked to turnover (10% discount, product upgrade, etc.), everyone that checks-in should be rewarded.
  • One to two ideas is sufficient - for example, for frequent check-ins and the Mayor. This keeps the campaign clear and simple to communicate.
  • Time-based sales specials can compensate for poor turnover (days) times.
  • Plan in advance how and when will end the promotion
The possibilities for campaigns are numerous: A bar could pay for a round for ten friends checking together. In a restaurant there is a free starter salaad for every check-in and the Mayor gets a free glass of wine, too. Foursquare can also be used in the non-food sector: A sports shop can offer, for example, a "sports-badge" - when he cashes it in, he get 10 CHF discount when buying trainers.

It must not always have to be discounts: A VIP access to the final sale or an extra dessert just for Foursquare users works wonders in leaving a lasting impression on the fans and giving them a feeling of exclusivity.

A dashboard shows the results of the campaign: It lists the number of check-ins per day, including time of day and the age and gender of customers who have used Foursquare. Of equal interest is the Mayor (i.e. your respectively most loyal Foursquare customer) and the newest customer. If customers have indicated their Twitter account, you can use, for example, a text message to contact him or send a welcome message.


Brand Pages


Unternehmen, die noch mehr machen wollen – und solche, die keine Niederlassungen haben, in denen sie Aktionen durchführen könnten – bietet Foursquare eigene Brand Pages und damit tolle Interaktionsideen mit den Fans. Hier das Beispiel des Wall Street Journal: Die Site hilft mit Insider-Tipps bei der Entdeckung von New York. In den verschiedenen Stadtvierteln kann man Brand Badges lösen. Kommt ein Foursquare-Mitglied an einen Ort, an dem ein Tipp der Zeitung hinterlegt ist, findet er dort einen Banner samt Verweis auf die Foursquare Brand Page.

Wer dem Wall Street Journal auf Foursquare «folgt», die Zeitung also als Freund angegeben hat, erhält die entsprechenden Tipps per Push-Nachricht aufs Smartphone – und fügt ihn bei Interesse in seine To-Do-List ein. Das Layout der Seiten ist flexibel und bietet Platz für Unternehmensinformationen, Links auf die Website und Social-Media-Seiten.

Ob sich Ihre Tipps um geschichtliche Hintergrundinfos drehen oder um empfehlenswerte Restaurants – achten Sie darauf, dass es sich wirklich um neue, überraschende oder bereichernde Infos handelt wie ein Angebot, das nicht auf der Karte steht. Sie können auch einen bestimmten Event mit Ihren Tipps begleiten. Die New York Times gab den Besuchern der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver Hinweise und Tipps zu Restaurants, Sehenswürdigkeiten u.v.m. und verteilte einen «New York Times Olympic Badge».
Brand Badges des Wallstreet Journal für seine Foursquare-Nutzer.

Brand Badges


Dank einer eigenen Brand Page können Unternehmen die bereits erwähnten Brand Badges lancieren. Fans des New Yorker MoMA (Museum of Modern Art), die dreimal dort oder im dazugehörigen PS1-Museum einchecken, erhalten die Auszeichnung «Art Addict». Zwei Check-ins zur Mittagszeit in Restaurants, die in der Kolumne«Lunch Box» des Wall Street Journals besprochen wurden, schalten den «WSJ Lunch Box Badge» frei. Eine ähnliche Aktion setzte das New York Magazine kürzlich mit User-Generated-Content um: Bei allen Restaurants, die das Magazin empfahl, konnten User weitere gute Restaurants in eine Liste eintragen. Wer fünf der aufgeführten Empfehlungen besuchte, erhielt den Badge «Where to Eat 2011» – und kam so in den Genuss vergünstigter Preise.
Verschiedene «Specials» für unterschiedliche Marketing-Ziele.


Rund um Foursquare


Foursquare bietet über Drittanbieter über 500 Apps mit Zusatzfunktionen an. Diese können Unternehmen ihren Foursquare-Usern zur Verfügung stellen: von Ausgaberechnern («Wie viel Geld habe ich diesen Samstag in welcher Bar gelassen?») über Foto-Tagging oder Gastronomie-Tipps. Ein paar Beispiele finden Sie auf https://de.foursquare.com/apps/. Auch bestehende Kunden-Bonus-Systeme lassen sich mit Foursquare verknüpfen: Für jeden Check-in im Supermarkt erhält der Nutzer ein paar zusätzliche Punkte gutgeschrieben.
Einen aufmerksamkeitsstarken Live-Events inszenierte der britische Schuhhersteller Jimmy Choo: Er organisierte eine Schatzsuche mit Style-Trainern, die in London unterwegs waren und ihren jeweiligen Aufenthaltsort auf Foursquare posteten. Wer einen dieser Trainer stellte, bekam Tipps zu den neuen Modetrends und ein paar Schuhe gratis.


Fazit: Top-Anwendung im mobilen Web


Dass die geobasierten Dienste nicht nur eine Spielerei, sondern handfestes Business sind, zeigen die Analysen der Banker: Für 2014 prognostizierten die Analysten von Jupiter Research ein Marktvolumen von 12.7 Milliarden US-Dollar. Neben Foursquare wollen auch andere Firmen dieses Marktsegment erobern: Google mit seinem Dienst Latitude ebenso wie die Start-ups Gowalla und Brightkite. Groupon hat vor kurzem Citydeal übernommen und Facebook bietet seit einiger Zeit auch in Deutschland Facebook-Deals für Facebook Places. Es wird gemunkelt, Twitter arbeite an einem Geo-System, bei dem jeder Tweet wie ein Check-in funktionieren soll.

Bisher hat Foursquare mit der Vielzahl der Möglichkeiten unserer Ansicht nach funktional und inhaltlich die Nase vorn und der Dienst wächst sehr rasch. Anfang 2010 verzeichnete Foursquare 1 Million User, Ende 2010 schon 4 Millionen. Die derzeit 8.5 Millionen User sind sehr aktiv: Pro Tag checken sie 3 Millionen Mal ein. Facebook hat mit 650 Millionen Usern ein grosses Potenzial, aber ob die Nutzer Facebook ihre Geodaten anvertrauen werden, gilt es abzuwarten. Es wäre nicht das erste Mal im World Wide Web, dass ein Schnellboot einen grossen Dampfer mit einer stringenten Fokussierung und User-Orientierung überholt. Diese Punkte sind bei Foursquare klar zu erkennen. Mein Tipp an Google: BUY FOURSQUARE!

Weitere Fragen? Gerne unterstützen wir Sie bei Ihrer Location-Based-Kampagne auf Foursquare oder Facebook Places.

Mike Schwede ist Leiter des Kompetenzzentrums Social Media bei Goldbach Interactive. Gemeinsam mit dem seinem Team entwickelt er Strategien und Kampagnen für Social Media und betreut Content, Dialog und Communities für Unternehmen.
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Autor: Mike Schwede
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